Seelen Sängerin: Lea Lu | Maison Gassmann

Seelen Sängerin

Lea Lu gibt gutem Stil eine Stimme – Über die Kunst, der eigenen Wahrheit eine Stimme zu geben und seiner eigenen Linie treu zu bleiben.

Kleid: WALK OF SHAME

Die NZZ nominierte Lea Dudzik unlängst als eine der fünfzig stilvollsten Schweizerinnen des Jahres 2018, ihre Stimme klingt wie von einem anderen Stern und ihre Lieder erzählen von der inneren tiefen Suche nach der eigenen Wahrheit. Sie begann im zarten Alter von fünf mit dem Geigenspiel, musizierte mehr, als sie sprach, und ist schon als Vorband von Morcheeba, Sinéad O’Connor oder Coldplay aufgetreten. Später studierte sie Psychologie, bis eine ihrer Mitstudentinnen, die sie immer nur dicke Partituren lesen sah, fragte, ob dies denn wohl das richtige Studium sei. Also wechselte sie nach Luzern an die Hochschule für Musik. Manchmal führt einen das Leben zurück an Orte, die man kennt. So geht es Lea Lu bei unserem Shooting – den Ort, an dem sie heute in einem zartrosa Kleid des russischen Labels Walk of Shame im ersten Licht des Frühjahrs posiert, kennt sie sehr gut. Nur war das Gebäude des heutigen Maison Gassmann zu dem Zeitpunkt noch das schönste Spielzeuggeschäft der Stadt – sie verbrachte ganze Nachmittage an diesem magischen Ort. Ihr Elternhaus stand nur wenige Meter entfernt und so führte sie ihr Schulweg täglich über die Storchengasse. «Mode ist für mich ein Ausdruck eines Gefühls, ich orientiere mich da nicht am Aussen», so die ausgebildeten Jazz-Sängerin. Sie kennt die Welt der Mode – ihr Grossvater Otto Dudzik war Herrenschneider und versorgte Max Bill und andere feine Herren mit massgeschneiderten Anzügen. Er erfand ein Verfahren zur Verarbeitung handgewobener Wollstoffe, damit diese beim Tragen und Reisen keine Falten bildeten und damit für die Träger mehr Komfort und auch Freiheit brachten. Freiheit ist auch ihr Thema: «Meine Musik ist ein Ausdruck und eine Reflexion meiner Wahrheit.»

So hat sich die 34-Jährige vor drei Jahren von einem grossen Musiklabel und der Welt des zwanghaft gut gelaunten Radiopop getrennt, um ihren ganz eigenen Weg zu gehen. Sie, die über 300 Konzerte in ihrem Leben gespielt hat, ging zurück zum Nullpunkt, schreibt und produziert ihre eigene Musik – ohne Kompromisse. Der Erfolg gibt ihr recht: Gerade drehte sie einen internationalen Werbespot für die renommierten W Hotels, der an der Oscarverleihung Premiere feierte. «Mit einem 90-köpfigen Team, der Costume Designerin von Sophia Loren, dem Kameramann von Steven Spielberg und dem grossartigen Jean-Pierre Jennet, dem Regisseur der ‚Fabelhaften Welt der Amelie‘», erzählt sie von den Dreharbeiten. Persönlich sind ihr die Auftritte mit dem englischen Singer/Songwriter Charlie Winston, einem ihrer Lieblingsmusiker, viel wichtiger. Aktuell zeichnet und editiert sie ihr erstes Kinderbuch für den Diogenes Verlag, das die Geschichte von Ludwig, einem Hasen mit Hängeohren, erzählt, der seinen Weg sucht durch eine Welt voller Hasen mit «richtigen» Hasenohren. Sie hatte die Geschichte bereits geschrieben, als sie 17 Jahre alt war. Ihren Lebensunterhalt verdient Lea neben dem Konzertieren als Gesangslehrerin, auch um anderen zu helfen, ihre eigene Stimme zu finden. Die nächsten Monate aber wird sie auf Einladung des Kantons Zürich tief im Herzen von Paris verbringen, in einer Künstlerresidenz in der Cité Internationale des Arts die, bereits 1965 als Atelierhaus für Künstler und Künstlerinnen gebaut, ein temporäres Zuhause für kreative Geister aus aller Welt bietet. Dort schreibt sie an ihrem neuen Album. Lea, wir sind gespannt.

lealu.ch