Wir alle kennen es – der Schrank ist voll aber wir finden dennoch nichts Passendes zum Anziehen. Eine disziplinierte Entrümpelung wirkt befreiend und verleiht Übersicht. Inspiriert durch aktuelle Trends und mit bewussten Zukäufen, kann man das vorhandene Potenzial voll ausschöpfen und neue Akzente setzen. Katja Hahnloser, Mitinhaberin und Einkäuferin von Maison Gassmann zeigt auf, wie sie Komplexität reduziert und gezielt neue Stücke kauft, um modisch und stilbewusst in die neue Saison zu starten.

Ein Thema, was mich immer wieder einholt, ist mein manchmal doch etwas überfüllter Kleiderschrank. Und aktuell kann ich meinem Kleiderschrank auch wirklich nicht davonrennen oder aus dem Weg gehen, weil wir gerade in eine neue Wohnung umgezogen sind. Der Zeitpunkt ist zusätzlich perfekt, weil ich meine Garderobe für die neue Saison optimal zusammenstellen will. Ich versuche, jede Saison Fehlkäufe zu meiden, indem ich sehr strategisch vorgehe. Hier ein kleiner Überblick meiner Tipps zum entrümpelten und optimal ausgestatteten Kleiderschrank.

 

Die richtige Einstellung finden. Warum miste ich aus?

Aktuell ist für mich natürlich der Umzug eine tolle Motivation. Zu jedem Zeitpunkt kann sich ein zu voller Kleiderschrank jedoch wie eine riesige Last anfühlen. Irgendwann wird jeder von einer zu grossen Auswahl überfordert und man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Mit einem gut geplanten und strukturierten Kleiderschrank hingegen fühlt man sich frei und kann die Winter-Garderobe mit gutem Gewissen planen.

 

Trennen von was man nicht mehr braucht

Natürlich ist das Wichtigste, dass man sich von dem trennt, was man nicht mehr braucht. Das ist jedoch oft leichter gesagt als getan. Vielleicht hängt man an dem Stück, weil man es früher besonders mochte. Oder man hat ein schlechtes Gewissen, weil man es zu wenig getragen hat. Am besten geht man das Ausmisten mit einer positiven Intention an. Sei es, dass man die Stücke verschenkt oder spendet oder wenn sie in gutem Zustand sind in einen Second Hand Laden gibt. Wichtig ist, dass dieser Schritt positiv ist und nicht mit einer weiteren grossen Hürde verknüpft ist. Das Ausräumen darf nicht verschoben werden, weil das damit verbundene Projekt zu umfangreich oder unrealistisch ist. Viel Positivität versprüht auch die Marie Kondo Methode, bei der man alles loslässt, was kein Gefühl der Freude mehr weckt, sich bei den Stücken bedankt und sich von ihnen verabschiedet. Man lässt die Vergangenheit hinter sich und freut sich auf die Zukunft.

Das drei Stapel Prinzip

Auf dieses Prinzip schwört auch unser Fashion Fräulein, welches wir für unsere Herbst Ausgabe von Les Saisons porträtiert haben. Dabei wird alles in drei Stapel sortiert. Der erste darf bleiben, der zweite muss gehen, der dritte hat ein Jahr Gnadenfrist und wird im Keller versorgt. Was immer nach einem Jahr nicht den Weg wieder in den Kleiderschrank gefunden hat muss weg. Ich persönlich bewahre auch gewisse Stücke auf, die einen sentimentalen Wert haben.

 

IST Situation analysieren

Outfits sind wichtig. Wenn ich meine besten Stücke nicht richtig kombinieren kann, dann ziehe ich sie nicht an und die Looks sind einfach nicht überzeugend. Daher analysiere ich, ob alle Stücke aktuell als Outfit kombiniert werden können. Was fehlt da noch? Braucht es Basics, die fehlen? Der perfekte Rollkragen Pulli zu einem Rock? Ein schlichtes Top? Haben noch genug Strumpfhosen den letzten Winter überlebt? Sind die Lieblingshosen durchgesessen oder ausgebleicht? Wie viel Freude habe ich noch an meinem Wintermantel?

Wenn die Situation überwältigt oder schlicht die Zeit fehlt, helfen wir auch gerne beim Ausmisten und stehen vor allem auch bei modischen Fragen mit unserer Kompetenz für sie zur Verfügung, ob bei uns im Geschäft oder direkt vor dem Kleiderschrank.

 

Strategisch einkaufen

Die aktuelle Garderobe kann man nun mit neuen Highlights ergänzen. Auch hier gehe ich gerne sehr strategisch vor. Es lohnt sich die aktuellen Trends zu analysieren. Vor allem für mich ist es wichtig, dass ich modisch angezogen bin. Aber nicht jeder Trend sagt mir zu oder passt zu mir. Diese Saison ist Check? omnipräsent. Ob Mäntel, Blazer oder auch Kleider. Da ist für jeden etwas dabei. Kurze Röcke und Mini Kleider erleben gerade ein richtiges Comeback. Gelb ist eine der tollen trendigen Farben für diesen Winter. Vor allem im Total Look und in Kaschmir sieht die Farbe echt toll aus. Rassige Blazer, ein Reiher oder zwei Reiher sind auch ein sehr grosses Thema. Dieser Trend kann man auch mit dem Check Trend verbinden. Ich liebe einen gut sitzenden Blazer und werde meine Sammlung diese Saison sicher ergänzen. Statements können auch mit aufwendigen Strickjacken oder besonderen Mänteln gesetzt werden diese Saison. Ein Statement Piece ist daher praktisch, weil man es mit Basics unkompliziert zu einem starken Look kombinieren kann. Wichtig ist: nicht jeder Trend muss mitgemacht werden, Fashion soll da sein, um Freude zu bereiten, seine Stimmung zu unterstützen. Auf was habe ich diese Saison so richtig Lust?

Big and Bold Checks: Mantel von der Akris Runway Show

Return of the Mini Dresses: Look von Etro

Beige All Over: Strick Layering bei Theory

Statement Strick: Runway Piece von Etro

 

Mankos ergänzen und Basics Sammlung erweitern

Basics, die fehlen um die aktuelle Garderobe optimal zu kombinieren müssen (sollten) gezielt ergänzt werden. Ich betrachte sie als eine Art Sammlung, in die es sich lohnt, jede Saison zu investieren. Akris hat diese Saison eine tolle Auswahl von feinen Strick Pullovern, die man super unter Blazer oder zu Röcken kombinieren kann. Vor allem bei Kaschmir Pullis kann man seine Sammlung jedes Jahr um ein bis zwei neue Stücke ergänzen. Es lohnt sich dabei, auf die Qualität zu achten, statt sich in Quantität zu verlieren. Richtig gepflegt hält ein hochwertiger Pulli viele Jahre und kann vielseitig kombiniert werden.

 

Aufräumen und sortieren

Die Ordnung im Kleiderschrank ist für mich auch sehr wichtig. Zu oft passiert es, dass ich bei einem unordentlichen Kleiderschrank das richtige Top nicht finde. Ich habe dabei schon verschiedene probiert. Optisch sehr ansprechend fand ich eine Ordnung nach Farben. Wirklich gefunden, was ich suche habe ich dabei jedoch nicht. Am besten funktioniert doch das System nach der Warengruppe. Alle Basic Pulli auf einen Stapel, alle Blazer zusammen, alle Tops, alle Denims und alle Hosen. Statement pieces getrennt vom Rest. So findet man beim Kombinieren von Outfits am schnellsten was zusammen passt.

Katja Hahnloser

Katja Hahnloser leitet Maison Gassmann in vierter Generation mit ihrem Bruder Michael Hahnloser

 

Verwandte Links:

Unser Artikel über das Fashion Fäulein in der Herbst Ausgabe von Les Saisons.

Marie Kondo macht Schrankaufräumen so richtig zum Vergnügen in ihrer Serie auf Netflix und auf ihrer Website.