Zoë Pastelle

Mädchen der Stunde

Zürich, Lindenhof – an einem der ersten stürmischen Tage. Der Wind braust, das Haar sitzt. Touristen strömen vorbei, zücken ihr Handy und bilden einen Halbkreis aus interessierten Blicken und Kommentaren. Zoë ist Schweizerin mit holländischen Wurzeln und erst 20 Jahre alt.

Sie lebt das Leben, von dem viele junge Menschen träumen. Sie ist ein Social Media Star, Schauspielerin, sitzt in den ersten Reihen der wichtigen Modeschauen, wechselt spielend ihren Look vom Abendkleid zum Street Style und ist ständig unterwegs. Zürich ist ihr Zuhause. Man kann dank Instagram schnell ein Teil ihres Lebens werden und neigt dazu, sich umgehend eine Meinung zu bilden über das Mädchen, das sein aufregendes Leben zwischen Mykonos, Make-up und Mode-Events mit 200 000 Followern teilt. Was niemand weiss: wie viel Arbeit, Commitment und Einsatz dahinterstecken, immer fröhlich, vorzeigbar und topmotiviert zu sein. Zoë ist superprofessionell, gut gelaunt, dabei aber immer sehr charmant und bescheiden – zu einem Leben wie ihrem gehört mehr als nur ein schönes Gesicht und hübsche Fotos: Es braucht Hingabe und Durchhaltevermögen.

An diesem Nachmittag hat sie genau 20 Minuten, dann muss sie los zum nächsten Shoot – der nächste Fotograf und ein neues Outfit warten auf sie. Jetzt steht sie da in voller Präsenz, der Moment, wenn die Kamera klickt, ist ihr Moment – sie folgt den Anweisungen genau, kennt jede Bewegung und weiss, wie man aus Körpern und Kleidern das Maximum herausholt. Mit der Disziplin einer ehemaligen Elevin der Tanz Akademie Zürich. Aus ihr wurde aber keine klassische Ballerina. Auch wenn die grossen Bühnen dieser Welt ihr Mädchentraum waren, findet sie es gut so. «Es ist nicht einfach, als Zwölfjährige für jede Bewegung kritisiert, analysiert und bewertet zu werden – es war eine harte, aber gute Schule. Und die perfekte Vorbereitung für die Schauspielschule und mein heutiges Leben. Es geht nicht ohne Disziplin», sagt sie und überstrahlt jede Spur von Anstrengung, die die langen Tage und kurzen Nächte zwischen Drehs, Flughäfen und roten Teppichen mit sich bringen. Wenn sie lacht, geht die Sonne auf. Selbst an einem neblig grauen Tag wie diesem.

Ihr iPhone ist selten weiter als 10 Zentimeter vom Körper weg, ihre Augen wirken klar, wach und blitzgescheit. «Ja, genau – den karierten Blazer aus dem silbernen Koffer und unbedingt den Wollpullover. Bitte denk an den Schmuck – das muss alles heute noch raus, danke!», diktiert sie nebenbei ins Telefon und strahlt dabei die Touristen an – die Maschine muss weiterlaufen. Ohne ihr Team, ihre Mutter, die sie alleine aufgezogen hat, und ihren Bruder wäre das alles nicht machbar. Sie gibt alles. Für ihre Community, ihre Follower, ihre Familie, ihre Freunde und die Kunden, die sie quer durch die Welt schicken, um ihre Luxus- und Konsumgüter zu promoten. Sie ist längst wählerisch, macht nicht mehr alles und hinterfragt den Zustand der Welt. «Für mich muss eine Kooperation Sinn machen, das Produkt muss mir gefallen – ich bin ein Mensch und kein Roboter», sagt sie und überprüft gleichzeitig die Qualität des Mantels mit gezieltem Blick aufs Etikett. Ihr soziales Engagement für Organisationen wie Pro Juventute, das Wohl von Kindern und der Umwelt: Das sind die Dinge, die ihr wirklich am Herzen liegen – sie lebt schon viele Jahre vegan und reist so CO2-freundlich wie nur möglich. «Mir ist vollkommen klar, dass ich eine grosse Vorbildfunktion habe», meint sie noch und macht sich daran, ihre nächste «Story» zu kreieren. Zoë Superstar, wir freuen uns auf alles, was noch kommt. Auch ausserhalb von Instagram.